Albanische Wirtschaft

Albanien, hat in den letzten 20 Jahren immense Fortschritte zum Aufbau einer neuen Infrastruktur, zur Renovierung der Anlagen zur Förderung der Mineralienressourcen (Öl, Chrom, Eisennickel), zur Nutzung der Wasserkraft für die Energieerzeugung, und zur Entwicklung eines vorteilhaften Produktionsstandortes (Textilien, Baumaterialien, Metalle) gemacht.

In den Jahren 2003-2008 konnte das Land ein Durchschnittswachstum von 6% hinlegen, welches allerdings hauptsächlich durch die Bauwirtschaft und den Einzelhandel getrieben war. In den Jahren von 2009-2014, bedingt durch die Finanzkrise, insbesondere der Haupthandelspartner Italien und Griechenland, ist das Wachstum auf durchschnittlich 2% zurückgegangen.

Durch strukturelle Reformen, besonders im Energiemarkt, aber auch durch Förderung der Leichtindustrie, versucht die aktuelle albanische Regierung, das Wachstum des Landes gezielt anzukurbeln, welches Fachleute für 2019/20 auf bis zu 3,7% einschätzen.

Mitte 2014 erhielt Albanien den EU-Beitrittskandidatenstatus, wodurch es in den Genuss der EU-Kandidatenbeitrittsprogramme kommt. Dies betrifft insbesondere den Agrarbereich, dessen Potenzial in den letzten 20 Jahren nicht genutzt werden konnte. Seit Jahren ist Albanien Mitglied in der WTO und im Verbund der CEFTA- und EFTA-Länder. Durch die Handelsabkommen mit diesen Organisationen und der EU ist der freie Warenaustausch für fast alle Produkte dieser Länder gesichert.

Laut INSTAT sind die Exporte im Jahr 2018 um fast 12% zum Vorjahr gestiegen. Dabei sind die wichtigsten Güter: Textilien & Schuhe, Mineralien (Erdöl & Öl aus Bitumen, Chrom), ElektrizitätBaustoffe undMetalle, NahrungsmittelHeilpflanzen und Maschinenteile. Die wichtigsten Exportpartner Albaniens sind die EU-Länder, wobei Albaniens wichtigster Partner Italien seine Anteile im Jahr 2018 wieder auf über 48% ausgebaut hat, hauptsächlich für Textilien und Schuhe. Auch deutsche Textilfirmen, die einen hohen Standard bei der Textilproduktion verlangen, werden zunehmend auf Albanien aufmerksam, denn Albaniens Unternehmen haben in den letzten 5 Jahren ihre Kapazitäten und ihr Know-how ausgebaut und deutliche Fortschritte bei der der Wettbewerbsfähigkeit gemacht. Dies gilt auch für die Bereiche der Leichtindustrie, Metall- und Plastikwaren.

Die ausländischen Investitionen (FDI) stiegen nach Angaben der BoA (Bank of Albania) im 1. Quartal 2019um 5% im Vergleich zum Vorjahr (288 Mio. Euro). Die Länder mit dem höchsten FDI-Anteil für 2018 (in Mio. Euro) sind: die Schweiz (88.75) durch das Projekt Trans Adriatic Pipeline (TAP), die Niederlande (42.25) durch die Investition von Statkraft, Frankreich (24.75) und der die Türkei (24.50).

Die Leichtindustrie verzeichnet auch wieder Zuwächse. Die Produktion von Bekleidung und Schuhe (die an1. Stelle in der Exportstatistik stehen)nimmt Fahrt auf, da die italienische Wirtschaft wieder mehr nachfragt und inzwischen neue Kundensegmente in Mitteleuropa erschlossen werden konnten. Im Bereich elektronische Bauteile sind 2 deutsche Investoren, Forschner und PSZ tätig, die zusammen ca. 1000 Arbeitsplätze geschafft haben. Auch ist das Bewusstsein gestiegen, dass nur durch bessere Berufsausbildung der Produktionssektor gestärkt werden kann.

Die Rohstoffförderung ist eine der wichtigsten Wirtschaftszweige Albaniens. Mineralien (besonders Erdöl, Bitumen und Chrom) stehen an zweiter Stelle der Exportgüter des Landes. Allerdings bewirkt der aktuelle Preisverfall des Rohöls, dass weniger Einnahmen erzielt werden und sich Neu-Investoren bei den von der albanischen Regierung angebotenen neuen Förderfeldern zurückhalten.

Der Energiesektor ist weiterhin im Umbau. Es werden viele Baugenehmigungen für mittlere und kleinere Wasserkraftwerke erteilt. Aktuell werden zwei große Wasserkraftwerke am Devoll Fluss von der norwegischen Firma Statkraft erbaut. Albanien, welches die Elektrizität aktuell zu 100% aus Wasserkraft erhält, benötigt den Ausbau dieser alternativen Energie sowie komplementäre Stromerzeugungsarten aus Wind- und Solaranlagen.

Der Service-Bereich „Hotels, Restaurants und Tourismus“ ist eine feste Komponente der albanischen Wirtschaft. Die Strände im Norden um Durrës sind weiterhin Zielort nur für regionalen Tourismus, besonders aus Kosovo und Nordmazedonien. Der Masterplan für den Ausbau der südlichen Küste liegt vor und wird den Ausbau neuer Ressorts nach sich ziehen. Anfragen größerer Gruppen liegen vor.

Für Kunden- und Callcenter hat Albanien durch die Vielsprachigkeit der jungen Arbeitnehmer mehr an Attraktivität gewonnen.

Deutsche Investoren sind aktuell in Albanien im Bereich Transport und Logistik (Häfen), Finanzdienstleistungen, der Infrastruktur (Büro - Immobilien), der BaustoffproduktionTextilproduktion, der Pharmazeutik, und seit Jahren auch im Bereich der Kabelbaumfertigung tätig. Dies ist nicht die klassische deutsche Palette der Produktionsverlagerung ins Ausland, die in Mittel- und Osteuropa wesentlich stärker im Bereich der Produktion präsent ist.

Die 5 größten deutschen Investoren:

1. Procredit Bank (100% Procredit Holding) - Finanzdienstleistungen
2. Tirana Business Park (100% Lindner Projektentwicklungs-GmbH) - Immobilien
3. Deutsche Lufthansa (100% Deutsche Lufthansa AG) - Transport
4. Forschner Albania (100% Forschner GmbH) - Kabelproduktion
5. PSZ Electronic GmbH (100% PSZ Electronic GmbH) - Kabelproduktion

Albanien im Überblick

Fläche

28.750 km²

Städte

Tirana, Durrës, Fier, Vlora, Elbasan, Shkodra, Korça

Bevölkerung

2,9 Mio.

Sprachen

Albanisch (Amtssprache), Englisch, Italienisch und Deutsch

Wachstum

3,7 %

BIP nominal

13,7 Mrd. Euro

BIP pro Kopf (in Kaufkraft)

9.500 Euro

Haupt-Exportländer

Italien (48%) Kosovo (8,7%) Spanien (7,7%), Deutschland (4,3%)

Haupt-Importländer

Italien (27,3%), Türkei (8,4%), China (8,4%), Griechenland (8,1%), Deutschland (7,7%)

Exportgüter

Bekleidung & Schuhe, Mineralien (Öl, Bitumen, Chrom), elektrische Energie, Baustoffe und Metalle

Importgüter

KFZ & Maschinen, Essen & Tabak, Bekleidung und Schuhe, Chemische Erzeugnisse, Baustoffe, Metalle, Roh- u. Brennstoffe, elektrische Energie

Zuflüsse: Ausländische Direktinvestitionen

2018: 1.020 Mio. Euro

Wichtigste Investitionsbereiche

Statkraft (norwegisches Unternehmen): 2 Wasserkraftwerke am Devoll Fluss

TAP (Trans-Adriatic-Pipeline): Gas-Pipeline (GR-AL-IT)

Bankers Petroleum (Ölförderung)

Infrastruktur und Dienstleistungen

Mitgliedschaften

WTO, CEFTA, EFTA, SAA 

1. Textilien und Schuhe

2.  Mineralien, Brennstoffe, Elektrizität

Mineralien

Chromerze und Konzentrate

Kupfererze und Konzentrate

Eisenerze und Konzentrate; einschl. Schwefelkiesabbrände

Nickel und Konzentrate daraus

Brennstoffe (und Produkte daraus)

Rohöl

Erdöl, nicht roh

Petrolkoks, Bitumen, Rückstände aus Erdöl

Erdgas

Elektrizität

3. Baumaterialien und Metalle

Baumaterialien

Zement

Marmor, Travertin, usw.

Granit, Porphyr, Basalt, Sandstein usw.

Metalle

Eisennstangen

Ferrolegierungen

Halbzeug aus Eisen oder nichtlegiertem Stahl,

Abfälle und Schrott;

Draht aus Eisen oder nicht legiertem Stahl

4. Maschinen, Ersatzteile

Schlösser Haken / Schnallen

Für Möbel, Inneneinrichtungen, Gerätschaften

Elektromotoren und Generatoren

Elektrische Apparate zum Schalten von nicht mehr als 1000 Volt

Elektrische Apparate für Netztelefonie

Isolierte Kabel

5. Lebensmittel

Salz

Kräuter und Heilpflanzen

Fischkonserven und Kaviar

Fleisch- und Wurstwaren

6. Holzverarbeitung und Papierprodukte

Brennholz; Sägemehl, Holzabfälle Schrott

Bautischler- und Zimmermannsarbeiten

Verpackungsmittel aus Papier, Pappe, Zellstoffwatte, Vliese

Hygiene- und Haushaltsartikel,

7. Kunststoffwaren

Verpackungsmittel aus Kunststoffen

Deckel, Verschlüsse, etc.

8. Leder und Lederverarbeitung

Häute, Felle von Rindern und anderem Weidevieh

SWOT Analyse Albanien

  • Vorteilhafte geografische Lage (Häfen, Autobahn, Flughafen)
  • Tradition und starke historische und kulturelle Beziehungen
  • Natürliche Ressourcen
  • Junge und qualifizierte Arbeitskräfte; niedrige Lohnkosten
  • Das Gebiet bietet ein gutes Potenzial für die Energieerzeugung (Wasser- und Windkraft)
  • Geeignetes Klima für die Entwicklung verschiedener landwirtschaftlicher Produkte
  • Erhöhung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommunalverwaltungen
  • Kontinuierliche Migration vom ländlichen in den städtischen Raum
  • Informelle Wirtschaft
  • Fehlende vollständige Regulierungspläne, schwache Durchsetzung der Rechtsvorschriften für die Landnutzung.
  • Nur wenige Studien zu Entwicklungspotentialen und wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Trends
  • Mangel an angemessener Infrastruktur
  • Mangel an moderner Technologie, vor allem in der Landwirtschaft
  • Niedrige Investitionen in Bildung und Ausbildung
  • Missbrauch natürlicher Ressourcen
  • Geografische Lage (schneller Zugang zum Markt)
  • Verstärkte regionale Anreize für Entwicklung und Zusammenarbeit
  • Positives und freundliches Geschäftsumfeld (One-Stop-Shop-Registrierungsverfahren)
  • Niedrige Löhne
  • Miete von Staatseigentum zum symbolischen Preis von 1 Euro (bis zu 30 Jahren)
  • NATO- und CEFTA-Mitgliedschaft, EU-Kandidatenstatus im Juni 2014
  • Unvollständige Gesetzgebung zur Lösung von Grundstücksproblemen
  • Starker Wettbewerb im nationalen und internationalen Markt
  • Ineffiziente öffentliche Institutionen und Regierungsbürokratie
  • Korruption